Finanzstruktur optimieren
17. September 2025
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Gründer und Unternehmer stehen aufgrund der sich häufenden Krisen vor enormen finanziellen Herausforderungen. Die finanzielle Resilienz eines Unternehmens, also die Fähigkeit wirtschaftliche Schocks zu überstehen ist zur Kernfrage geworden. Um einen Turnaround zu schaffen, muss die Finanzstruktur des Unternehmens optimiert werden. Das Ziel ist eine robuste Finanzierung, die Liquidität sichert, ein gesundes Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital aufweist und Finanzierungsrisiken minimiert.
Ist das Thema für Sie relevant?
Ja, wenn Sie:
- Ihre Liquidität sichern und Finanzierungsspielräume schaffen wollen
- Sich in einer Krisensituation befinden oder einem drohenden Engpass vorbeugen möchten
- Ihr Unternehmen unabhängig von Banken und klassischen Kreditwegen aufstellen möchten
- Wissen wollen, wie Sie Kosten senken, ohne Ihre Substanz zu gefährden mit einem Vertriebsteam arbeiten, das mehr leisten könnte.
Worauf Sie zwingend achten müssen
- Kontinuierliche Liquiditätsplanung mit Frühwarnsystem
- Ein ausgewogenes Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital
- Diversifizierter Finanzierungsmix statt Abhängigkeit von einem Geldgeber
- Klare Zielvorgaben für Schuldenabbau und Stärkung der Finanzstruktur
Das Wichtigste auf einen Blick
- Liquidität sichern
- Schulden restrukturieren
- Finanzierungsmöglichkeiten verbessern
- Kosten senken
- Eigen- und Fremdkapital optimieren
- Finanzielle Resilienz aufbauen
Cash-Management priorisieren
In der Krise gilt: Liquidität hat höchste Priorität. Eine kontinuierlich aktualisierte Liquiditätsplanung ist unerlässlich, um Ein- und Auszahlungen im Blick zu behalten, denn sie ermöglicht frühzeitiges Gegensteuern bei Engpässen. Ergänzend helfen Frühwarnindikatoren, drohende Zahlungslücken frühzeitig zu erkennen.
Alternative Liquiditätsquellen nutzen
Bevor Vermögenswerte verkauft werden, sollten KMU auf Factoring oder Sale-and-lease-back zurückgreifen. Factoring wandelt offene Forderungen in sofort verfügbare Mittel um schnell und ohne Ausfallrisiko. Beim Sale-and-lease-back wird aus Anlagevermögen Liquidität generiert, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen.
Wenn sie mehr zu den Themen Factoring und Sale-and-lease-back erfahren wollen, klicken sie hier.
Working Capital freisetzen
Rechnungen zügig stellen, Mahnwesen verschärfen, Zahlungsziele bei Lieferanten voll ausschöpfen, denn so wird Kapital im Alltag mobilisiert. Auch überhöhte Lagerbestände sollten abgebaut werden. Staatliche Hilfen wie KfW-Kredite bieten zusätzliche Unterstützung.
Praxis-Tipp: Pflegen Sie einen tagesaktuellen Liquiditätsstatus und definieren Sie Notfall Maßnahmen, falls kritische Schwellen erreicht werden. So behalten Sie die Kontrolle und können bei beginnender Liquiditätskrise sofort handeln, etwa durch Kostensperren oder Gespräche mit Gläubigern über Zahlungsaufschub.
In einer Krise ist es entscheidend, die Schuldentragfähigkeit des Unternehmens wiederherzustellen. Eine außergerichtliche Restrukturierung der Verbindlichkeiten kann oft die Insolvenz abwenden. Falls machbar, sollte frühzeitig der Dialog mit Banken und Gläubigern gesucht werden, um Stundungen, Verlängerungen von Kreditlaufzeiten oder Umschuldungen zu vereinbaren.
Das StaRUG bietet dafür seit 2021 einen rechtlichen Rahmen, um Sanierungspläne auch gegen Widerstand einzelner Gläubiger durchzusetzen und die Finanzstruktur zu sichern.
Verbindlichkeiten priorisieren
Ein Finanzierungsspiegel verschafft Überblick über alle Schulden und deren Fälligkeit. So lassen sich Zahlungsprioritäten festlegen: überlebenswichtige Gläubiger zuerst, andere mit Zahlungsaufschub oder Teilzahlungen verhandeln. Transparente Kommunikation ist essenziell, um Vertrauen in den Sanierungsplan zu schaffen.
Hochverzinste oder kurzfristige Kredite sollten, wenn möglich durch langfristige, günstigere Darlehen ersetzt werden. Staatlich verbürgte Kredite oder Bürgschaften können dabei helfen. Eine Konsolidierung reduziert Zinskosten und schafft mehr Planungssicherheit.
Praxis-Tipp: Nutzen Sie fachkundige Beratung (Sanierungsberater, Rechtsanwälte) bei harten Verhandlungen. Diese Experten können helfen, Gläubiger von Ihrem Sanierungskonzept zu überzeugen und rechtssichere Vereinbarungen zu treffen. In kritischen Fällen kann ein vorläufiger Sachwalter oder Restrukturierungsbeauftragter unter StaRUG zur Moderation zwischen den Parteien beitragen.
Finanzierungsmöglichkeiten verbessern
In Krisenzeiten stoßen herkömmliche Finanzierungswege häufig an Grenzen. Banken agieren zurückhaltender und Kredite sind schwerer zu erhalten. Deshalb sollten Unternehmen verstärkt alternative Finanzierungsmöglichkeiten ausloten, um ihre Kapitalbasis zu verbreitern. Eine Diversifizierung der Finanzierung erhöht die Unabhängigkeit von einzelnen Geldgebern und schafft neue Handlungsmöglichkeiten.
Fördermittel nutzen
Öffentliche Zuschüsse und Programme von Bund und Ländern entlasten die Liquidität, da sie meist nicht zurückgezahlt werden müssen. Trotz bürokratischer Hürden lohnt sich der Aufwand. Fördermittelberater können helfen, passende Angebote zu identifizieren, die ihre Finanzstruktur entlasten können.
Eigenkapital stärken
Die Stärkung der Eigenkapitalbasis verbessert Bonität und Krisenfestigkeit. Prüfen Sie, ob Gesellschafter oder neue Investoren frisches Eigenkapital einbringen können. Private-Equity-Gesellschaften etwa investieren in etablierte Mittelständler, um Wachstum oder Umstrukturierungen zu finanzieren, und bringen neben Kapital oft auch Know-how mit.
Auch Crowdfunding kann für bestimmte Vorhaben eine Option sein, viele Anleger stellen kleine Beträge zur Verfügung, entweder als Beteiligung oder als Darlehen, um ein Projekt zu ermöglichen. Bei jungen Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial könnte sogar Venture Capital (Risikokapital gegen Unternehmensanteile) eine Lösung sein.
Wichtig ist, diese Optionen strategisch abzuwägen, denn Eigenkapitalbeteiligungen verwässern Anteilsquoten, können aber die finanzstrukturelle Stabilität erheblich erhöhen.
Fremdkapital flexibel denken
- Leasing: Statt Kauf, Investitionsgüter über Leasing finanzieren
- Finetrading/ Wareneinkaufsfinanzierung:: Lieferanten werden direkt bezahlt, mit längeren Zahlungszielen für das Unternehmen
- P2P-Kredite: Direkte Finanzierung über Online-Plattformen
- Mezzanine-Kapital: Eine hybride Finanzierungsformen (z. B. stille Beteiligungen oder Nachrangdarlehen) mit Eigen und Fremdkapitalcharakter. Es wird als wirtschaftliches Eigenkapital gewertet werden, ohne Stimmrechte abgeben zu müssen.
Weiteres zum Mezzanine-Kapital finden sie hier.
Praxis-Tipp: Evaluieren Sie regelmäßig Ihren Finanzierungsmix. Stellen Sie Fragen wie:
Sind wir zu abhängig von einer Bank?
Haben wir ungenutzte Finanzierungsspielräume (z. B. ungenutzte Kreditlinien, Factoring-Kapazitäten)? Durch eine breite Aufstellung mit Bankkredit, Leasing, Factoring, ggf. Beteiligung, schaffen Sie eine flexible Finanzierungsstruktur, die auch in unsicheren Zeiten stabiler trägt.
Kostendisziplin verschärfen
In der Krise braucht es strikte Kostendisziplin, aber ohne das Unternehmen kaputtzusparen. Nicht jede Einsparung ist sinnvoll. Radikale Maßnahmen wie Personalabbau können sich langfristig rächen. Das Ziel sollte es sein: gezielte, schnell wirksame Entlastung bei Erhalt der Leistungsfähigkeit.
Schnell wirksame Sparmaßnahmen
Konzentrieren Sie sich zunächst auf sofort umsetzbare Einsparungen bei der Finanzstruktur.
- Fixkosten senken:
– Alle festen Ausgaben überprüfen: Miete, Leasing, Versicherungen, IT-Verträge.
– Mit Vermietern/Dienstleistern über temporäre Rabatte oder Kündigungen verhandeln
– Büroflächen prüfen: bei Unterauslastung reduzieren oder untervermieten - Personal- und Arbeitskosten optimieren:
– Kurzarbeit, Arbeitszeitverkürzung (z. B. 4-Tage-Woche) statt Entlassungen
– Überstunden abbauen, befristete Verträge auslaufen lassen
– Einstellungsstopp einführen, ohne Schlüsselpersonal zu verlieren - Variable Kosten reduzieren:
– Einkaufskosten senken: bessere Konditionen, alternative Lieferanten, Mengenrabatte
– Energieverbrauch optimieren: effizientere Geräte, Anbieterwechsel prüfen
– Nicht unterschätzen: Reisekosten, Büromaterial, Dienstleisterkosten - Effizienz steigern:
– Prozesse analysieren und straffen: Wartezeiten, Doppelschritte, Leerlauf abbauen
– Automatisierungspotenzial prüfen
– Mitarbeiter in KVP einbinden: Ideenwettbewerbe, Vorschläge aus der Praxis nutzen
Strukturelle Kostenanpassungen
Mittelfristig ist zu prüfen, ob die Finanzstruktur zum Geschäftsvolumen passt. Sollte die Umsatzbasis dauerhaft gesunken sein, muss eventuell die gesamte Struktur verschlankt werden (z. B. Schließung unrentabler Standorte oder Geschäftsbereiche).
Achten Sie aber darauf, das Kerngeschäft nicht zu gefährden, Pflichtkosten (für Qualität, Liefertreue, Kundenservice) dürfen nicht so stark beschnitten werden, dass wichtige Kunden abspringen.
Praxis-Tipp: Formulieren Sie klare Ziele für die Kostensenkung und verfolgen Sie deren Umsetzung. Beispiel: „Energiekosten bis Ende nächsten Jahres um 15 % reduzieren“ oder „Fahrzeugkosten ab sofort um 1000 € pro Monat senken“. Weisen Sie Verantwortlichkeiten zu und tracken Sie die Ergebnisse regelmäßig. So wird das Kostenmanagement messbar und bleibt im Fokus
Eigen- und Fremdkapital optimieren
Ein zentraler Faktor der Finanzstruktur ist das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital. Die Eigenkapitalquote entscheidet mit darüber, wie krisenfest und kreditwürdig ein Unternehmen ist. Eigenkapital dient als Risikopuffer für Verluste, es zeigt, wie viel Verlust das Unternehmen verkraften kann, bevor die Insolvenz droht. Eine hohe Eigenkapitalquote verbessert das Rating bei Banken und schafft Vertrauen bei Investoren. Fremdkapital (Schulden) hingegen erhöht den Hebel, birgt aber Zins und Rückzahlungsverpflichtungen, die in Krisen zur Last werden. Es gilt also, ein gesundes Gleichgewicht herzustellen.
Realistische Bestandsaufnahme
Reicht das Eigenkapital aus, um Risiken zu tragen? Wenn nicht, sind Sofortmaßnahmen nötig.
Mögliche Schritte:
- Gewinne einbehalten: Keine Ausschüttungen, ggf. Umwandlung von Gewinnvorträgen in Stammkapital
- Privateinlagen: Gesellschafter können Kapital nachschießen, idealerweise haftendes Kapital (Eigenkapital oder Nachrangdarlehen)
- Mezzanine-Kapital und Beteiligungen: B. stille Gesellschaften oder strategische Investoren, bilanzwirksam ohne operative Mitsprache, erhöhen Stabilität
Verschuldungen reduzieren
Parallel zur Eigenkapitalstärkung sollte Schuldenabbau Priorität haben. Zusätzliche Einnahmen, etwa durch den Verkauf nicht betriebsnotwendiger Vermögenswerte, sollten zur Tilgung teurer Kredite genutzt werden.
Ein zusätzlicher Effekt: Bilanzverkürzung verbessert rechnerisch die Eigenkapitalquote, da die Bilanzsumme sinkt. Auch Factoring hilft, Forderungen verschwinden aus der Bilanz, Liquidität steigt, das Rating verbessert sich.
Fristenkongruenz sicherstellen
Ein häufig vernachlässigter Punkt: Die Laufzeiten von Finanzierungen müssen zur Nutzungsdauer der Vermögenswerte passen. Langfristige Investitionen wie Maschinen oder Immobilien sollten auch langfristig finanziert werden etwa durch Darlehen oder Leasing mit mehrjähriger Laufzeit. Kurzfristige Mittel sind dem Umlaufvermögen vorbehalten. Wer z. B. Maschinen mit einem Kontokorrentkredit finanziert, riskiert ständigen Liquiditätsdruck bei Fälligkeit.
Praxis-Tipp: Setzen Sie sich Zielkennzahlen für Ihre Kapitalstruktur, etwa eine anzustrebende Eigenkapitalquote. Als grobe Orientierung gelten je nach Branche Eigenkapitalquoten von mindestens 40–50% als wünschenswert. Planen Sie Maßnahmen ein, um diesem Ziel schrittweise näherzukommen, sei es durch Einbehalt von Gewinnen, Kapitalerhöhungen oder Schuldenabbau. Kommunizieren Sie diese Ziele auch Ihrer Bank; eine klare Eigenkapitalstrategie kann das Vertrauen der Kreditgeber erhöhen und zu besseren Konditionen beitragen.
Finanzielle Resilienz aufbauen
Ist die akute Krise bewältigt, gilt es, das Unternehmen dauerhaft widerstandsfähig zu machen gegen zukünftige Turbulenzen. Finanzielle Resilienz aufzubauen bedeutet, aus der Krise zu lernen und Vorsorge für kommende Herausforderungen zu treffen.
- Finanzpuffer schaffen
– Nutzen Sie gute Zeiten, um Rücklagen aufzubauen, etwa für mehrere Monate Fixkosten.
– Beantragen Sie bei Gelegenheit höhere Kreditlinien, als aktuell nötig, diese erhöhen den Spielraum im Ernstfall erheblich.
- Risikomanagement etablieren
– Identifizieren Sie regelmäßig relevante Risiken (z. B. Kundenkonzentration, Preissteigerungen, Cybergefahren). Führen Sie Stresstests durch und entwickeln Sie – präventive Gegenmaßnahmen.
– Nutzen Sie Instrumente wie Warenkreditversicherungen und Diversifikation, um Klumpenrisiken zu minimieren.
- Finanzplanung und Monitoring verstetigen:
– Setzen Sie integrierte Finanzplanung (GuV, Bilanz, Liquidität) dauerhaft fort.
– Definieren Sie zentrale Kennzahlen (z. B. Liquiditätsgrad, EK-Quote) und überwachen Sie diese engmaschig. Frühwarnsysteme helfen, schnell zu reagieren. - Finanzkultur verankern:
– Schaffen Sie ein Bewusstsein für Wirtschaftlichkeit im ganzen Unternehmen.
– Offene Kommunikation über finanzielle Ziele und Schulungen für Nicht-Finanzverantwortliche fördern langfristiges Denken.
Fazit
Durch die Kombination dieser strategischen Schritte lässt sich die Finanzstruktur eines KMU selbst in schwierigen Zeiten stabilisieren und optimieren. Liquiditätssicherung, konsequente Kostenkontrolle, kluge Finanzierungsmix-Strategien und eine solide Kapitalbasis bilden die Grundlage für kurzfristiges Überleben und langfristigen Erfolg. Mit einem strukturierten Maßnahmenplan und vorausschauendem Handeln kann aus der Krise eine Chance werden, das Unternehmen robuster und wettbewerbsfähiger aufzustellen. Entscheidend ist, jetzt aktiv zu werden und die Weichen für eine finanziell resiliente Zukunft zu stellen. Die beschriebenen Maßnahmen sind operativ umsetzbar und bieten praxisnahe Leitlinien, um wieder finanzielle Stabilität zu erlangen und gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
Die IMB GmbH unterstützt Sie hierbei mit über 25 Jahren Erfahrung und bietet mit dem „Digital CFO Service“ maßgeschneiderte Lösungen für Ihre Liquiditätsplanung und Liquiditätsprognose.
Bei weiteren Fragen zur Optimierung der Finanzstruktur stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.